Die 1830 vollendete Gießhalle mit ihrer Glas- und Eisenfassade ist Sinnbild für die Bedeutung der Sayner Hütte als Innovationszentrum des preußischen Staates. Ihr Erbauer, der technische Leiter
der Sayner Hütte, Carl Ludwig Althans, formt die Eisenhütte konsequent zu einem staatlichen Musterbetrieb.
Mit Übernahme durch das preußische Königreich 1815 wird die Sayner Hütte Teil der großen königlich-preußischen Eisenhütten, zu denen auch Berlin und Gleiwitz (Gliwice/Polen) gehören. Fortan
werden auf der Sayner Hütte Waffen und Munition für die Festungsanlagen in Ehrenbreitstein und Koblenz produziert, daneben Maschinenteile und Eisenkunstguss.
Der Geist der Frühindustrialisierung wird in der Gießhalle deutlich. Sie ist das eiserne Gehäuse für eine große Maschinerie im Inneren. Althans richtet die komplette Konstruktion der Halle auf
die neue innovative Idee eines Kransystems aus, dass alle Bereiche in der Halle erreichen kann.
Die konstruktionsbedingten Spitzbögen im Halleninneren wiederholen sich in der Westfassade und werden mit Glas kombiniert. Dadurch ermöglicht die Fassade einen Einblick ins Innere des preußischen
Musterbetriebs. Zudem kann die Fassade jederzeit abgebaut und versetzt werden, wenn die Halle verlängert werden muss.
Im Kellerbereich unter der Gießhalle sind die Räume der Putzerei, in der die Gussstücke für den Verkauf aufbereitet werden.